(Screenshot offene-bibel.de/Theopop)

Einmal Markusevangelium, bitte!

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Projekte sind toll. Man setzt sich konkrete Ziele, freut sich an jedem kleinen Fortschritt – und vor allem dann, wenn man am Ende sagen kann: Wir haben es geschafft. An dieser Stelle möchte ich ein ganz besonders unterstützenswertes Projekt vorstellen und euch alle ermutigen, mitzuwirken: Das Markus-Projekt der „Offenen Bibel“. Es beginnt am 6. Dezember um 20 Uhr im Chat der Offenen Bibel – mehr Infos dazu gibt’s weiter unten. 

Was ist die Offene Bibel?

Die  „Offene Bibel“ ist selbst ein Mitmach-Projekt im Stile der Wikipedia zur Übersetzung der Bibel unter einer freien Lizenz. Deutsche Bibeltexte, die dort entstehen, dürfen also frei benutzt, kopiert, weitergegeben und bearbeitet werden (mehr dazu hier). Eine unterstützenswerte Sache – und vor allem etwas für jedermann.

Denn nicht nur Theologen sind hier gefragt. Die können zwar häufig etwas zu Übersetzungen aus dem Urtext beitragen oder theologische Detaildiskussionen führen. Aber um einen Text in gutes, verständliches Deutsch zu übertragen, braucht es mehr: Sprachgefühl, Grammatik-Expertise, … und, und, und. Um ein solches Vorhaben erfolgreich umzusetzen, braucht es zudem  nicht zuletzt Leute, die zum Beispiel Ahnung von PR oder Programmierung haben und im Hintergrund am Erfolg mitarbeiten. Die Offene Bibel ist also wirklich das, was es sein will: Ein Projekt, bei dem sich jeder mit seinen Stärken einbringen kann.

Das Markus-Projekt

Doch gleich die ganze Bibel ins Auge zu fassen schreckt manche ab. Da wird es schnell unübersichtlich. Das Team der Offenen Bibel will deshalb anhand eines konkreten Ziels einen großen Schritt vorwärts machen: Bis Ende März soll das komplette Markus-Evangelium übersetzt werden. Zu diesem Zweck hat der „Offene Bibel e. V.“ eigens einen Projekt-Koordinator gewinnen können, der sich mit seiner vollen Arbeitskraft der Umsetzung widmen wird: koordinieren, organisieren, planen, übersetzen. Bei Benjamin Misja laufen die Fäden zusammen, er weiß, was zu tun ist und wo es brennt. 

Warum sollte ich da mitmachen?

Es gibt unzählige Gründe, sich an dem Projekt zu beteiligen. Wer einfach nur die Bibel lesen möchte, hat bei der Offenen Bibel den Vorteil, dass es sich nicht nur um eine einfache Übersetzung handelt. Häufig fragt man sich bei Bibelstellen: Was steht da eigentlich genau im Urtext? Bei der Offenen Bibel wird unter der Lesefassung in verständlichem Deutsch die sogenannte „Studienfassung“ angezeigt – mit umfangreichen Anmerkungen und Übersetzungsalternativen. Ganz ohne Kenntnisse der biblischen Ursprachen ist es so bei der Offenen Bibel möglich, tief in den Text einzutauchen – es gibt m. E. keine andere Übersetzung, die das so einfach und umfangreich gestaltet. Macht euch selbst ein Bild, anhand des Beispiels von Psalm 23.

Die Vorteile für Theologiestudierende liegen auf der Hand. Durch ein Mitwirken an der Offenen Bibel bleibt man ganz ohne viel Büffeln fit in den Alten Sprachen und eignet sich durch regelmäßige intensive Beschäftigung mit den Texten theologische Expertise an. Prediger können tiefer in den Text eintauchen, dank der „Studienfassung“ werden umfangreiche Anmerkungen zum Text gleich mitgeliefert. Und wer eigene hat, kann sie einfach hinzufügen und so der Allgemeinheit zur Verfügung stellen.

Wer sich einmal auf den Seiten der Offenen Bibel umschaut, merkt, dass vieles noch unvollständig ist. Das sollte aber nicht Demotivation sein, sondern Motivation: Lasst uns daraus eine Bibel machen, die wir alle gerne benutzen!

Und nun? Mitmachen und weitersagen! Startschuss: 6. Dezember, 20 Uhr

Das Markus-Projekt ist eine gute Gelegenheit dafür. Das konkrete Ziel, ein Buch innerhalb von vier Monaten zu übersetzen, ist erreichbar. Und dank des Projekt-Koordinators Benjamin ist auch immer jemand da, den man fragen kann. Vor allem dann, wenn man selbst gerne mithelfen möchte, aber nicht so recht weiß, was es zu tun gibt. Im Chat der Offenen Bibel ist (fast) immer etwas los, dort kann man alle Fragen loswerden. Benjamin erreicht man am Besten unter markusprojekt@offene-bibel.de . Startschuss ist der 6. Dezember, Treffpunkt um 20 Uhr im Chat der Offenen Bibel.

Ihr merkt schon, ich halte viel von der Offenen Bibel und insbesondere dem Markusprojekt. Ich bin gespannt, wie es gelingt und vorangeht und werde selbst versuchen, so gut wie möglich daran mitzuwirken. Wer keine Ambitionen hat, selbst mitzumachen, das Projekt aber unterstützenswert findet, der hilft schon viel, wenn er einfach davon weiter erzählt. Ich freue mich darauf, bald das Markus-Evangelium in einer durchdachten, umfangreichen und gut übersetzten Fassung lesen zu können. Auf geht’s!

 

Einmal Markusevangelium, bitte!

2 Gedanken zu „Einmal Markusevangelium, bitte!

  1. Jirmejahou schreibt:

    Da stellt sich doch die Frage nach dem Sinn dieses Projektes, oder nicht? Sowie auch, was dabei herauskommen kann, nicht wahr? Da das Ziel m.E. nicht spezifiziert ist, nehme ich zu dem möglichen Resultat Stellung: Es hatten früher bereits Kirchenmänner die Texte als Kanon festgehalten. Ohne das Verständnis eifriger Bibelleser in Frage stellen zu wollen, (zu denen ich mich zählen möchte), glaube ich, dass eine Umformulierung solcher Texte, auch anhand mehrerer Übersetzungen und mehrerer Bibellexiken mit einem Fragezeichen versehen werden kann. Die nächste Frage wäre, wem könne eine solche freie und veränderbare Bibel hilfreich sein, und wer könnte alles interessiert sein eventuel den Sinn zu verdrehen, auf besonders subtile weise?
    Sollte Gott wirklich gesagt haben … ? Sagt nicht die Schrift: Verflucht sei der, der auch nur ein Jota der Schrift verändert ! ? Ja, doch. Also, wessen Seelenheil soll damit aufs Spiel gesetzt werden?

      

    1. fm schreibt:

      Ich denke, die Ziele der Offenen Bibel sind ganz klar formuliert – zum Beispiel hier.

      Ein paar Anmerkungen zu deinem Kommentar: Es geht nicht um eine „Umformulierung“, sondern um eine Übersetzung aus dem Urtext in der jeweiligen Originalsprache. Und deinen Einwurf mit dem Kanon verstehe ich auch nicht – was hat das mit der Offenen Bibel bzw. dem Markusprojekt zu tun? Es geht doch nicht darum, den biblischen Kanon zu kürzen bzw. zu erweitern?

      Und weitere Fragen: Welches ist denn deiner Ansicht nach die „richtige Übersetzung“, von der „kein Jota verändert“ werden darf? Das kann doch nur der Urtext sein, oder? (Und daran wird beim Übersetzen nichts verändert, aber er wird interpretiert – ohne Interpretation ist nämlich keine Übersetzung möglich, egal ob Luther, Elberfelder, Schlachter – oder Offene Bibel. Alle Versionen der Bibel, die nicht in der Ursprache verfasst sind, sind, streng genommen, zugleich: Interpretationen.)

      Die Offene Bibel garantiert durch ihr Peer-Review Konzept, dass nicht jeder einfach rumpfuschen und den Text nach Gutdünken verändern kann. Veränderungen geschehen immer im Austausch und in der Diskussion mit anderen.

        

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