Hornbach - Plakat (Bild: Hornbach)Hornbach - Plakat (Bild: Hornbach)

Gott. Himmel. Erde. Wasser. Fertig?

Wie versprochen: Hier ist der zweite Artikel zu der neuen Hornbach-Kampagne, in dem wir uns die Plakate genauer anschauen, die der Baumarkt im ganzen Land verteilt. Den ersten Teil, der sich mit dem Werbevideo befasst,  findet ihr hier. Und eines gleich vorweg: Natürlich, es sind Werbeplakate und keine theologischen Ausarbeitungen. Und ehrlich gesagt finde ich die Plakate sehr gelungen, denn sie spielen gekonnt mit Übertreibungen (wie auch das Video). Nichtsdestotrotz: Ein kleiner Wink aus theologischer Perspektive kann nicht schaden. Und interessant ist es allemal.

Auf den ersten Blick sind die Hornbach-Plakate alle gleich aufgebaut. Da werden Zutaten genannt, am Ende steht das fertige „Produkt“, und darunter die Aufforderung: „Und jetzt du.“ Folgende Plakate gibt es:

1) Fliesen – Wanne – Dusche – Bad – Und jetzt du.

2) Sand – Kies – Wasser – Zement – Haus – Und jetzt du.

3) Samen – Eizelle – Fötus – Mensch – Und jetzt du.

4) Akropolis – Louvre – Taj Mahal – Big Ben – Und jetzt du.

5) Gott – Himmel – Erde – Wasser – Fertig – Und jetzt du.

Samen-Eizelle-Fötus-Mensch -Und jetzt du!
Zack, zack – fertig ist der Mensch. (Bild: Hornbach)

Die ersten drei Plakate entsprechen tatsächlich dem Schema: Zutaten – Produkt -Du! Die letzten beiden fallen aber aus der Reihe. Nummer 4 spielt mit großen architektonischen Leistungen der Menschen (wohlgemerkt chronologisch sortiert) und fordert am Ende gewissermaßen dazu auf, die nächste davon zu erbringen. Und Nummer 5 fällt irgendwie ganz raus, will nicht so recht zu den anderen passen, denn hier werden einfach Worte des ersten Verses der Bibel aneinandergereiht. Doch dazu gleich mehr. Für unsere Betrachtung interessant sind eigentlich nur die Plakate 3) und 5), denn sie spielen auf schöpfungstheologische Motive an. Beginnen wir mit dem ersten.

Mensch und Eizelle, Henne und Ei

Hier gibt es eigentlich nur kurz etwas dazu zu sagen. Denn in erster Linie sind es natürlich biologische Anspielungen, die hier gemacht werden. Die „Zutaten“: Eizelle und Samen, daraus entwickelt sich ein Fötus, der wiederum irgendwann ein fertiges Menschlein ergibt.

Interessant ist aber, dass die Macher der Kampagne ausgerechnet dieses Motiv gewählt haben. Im Gesamtbild muss man schmunzeln, vielleicht provoziert es ein bisschen. Denn die Grundaussage ist klar: Menschen erschaffen? Kein Problem! Mit einem Baumarkt hat das Ganze doch recht wenig zu tun. Vielmehr wird das „Wunder Mensch“ als eine Leistung dargestellt, die in der Regel ohne Probleme reproduzierbar ist. Das mag auf der biologischen Ebene stimmen (zweifellos) – sofern man bereits mindestens zwei Menschen hat. Theologisch müsste man hier aber die Frage nach den Ursprüngen stellen. Denn letztlich läuft das Motiv auf das Henne-oder-Ei-Problem hinaus: Für Samen und Eizelle, die „Zutaten“ des Plakates, braucht es schon am Anfang den, der auch am Ende steht: den Menschen.

Schöpfung – fertig? 

Schöpfung in ganz kurz - das Hornbach-Werbeplakat.
Schöpfung in ganz kurz: Gen 1,1f. (Bild: Hornbach)

Noch interessanter – weil eindeutig mit theologischen bzw. religiösen Motiven besetzt – ist das Plakat Nummer 5. Es fällt völlig aus dem Schema, da hier weder „Zutaten“ genannt werden, noch am Ende das Produkt genannt wird. es wird schlicht festgehalten: „Fertig.“ Ganz oben steht Gott, dann folgen: Himmel, Erde, Wasser. Nach welchem Schema sich die Designer diese Begriffe ausgesucht haben, ist mir nicht ganz klar geworden. Eine Vermutung liefert der Blick auf Genesis 1 Vers 1-2, den ersten Satz der Bibel (Luther-Übersetzung 1984):

„Am Anfang schuf Gott Himmel und Erde. Und die Erde war wüst und leer, und es war finster auf der Tiefe. Und der Geist Gottes schwebte auf dem Wasser.“

Das Plakat ist also prinzipiell nichts anderes als eine sehr knappe Version von Genesis 1,1-2. Und mit dieser Perspektive gewinnt das „Fertig“ am Ende des Plakats einen, sagen wir, merkwürdigen Beiton. Denn Die biblische Schöpfungsgeschichte beginnt eigentlich erst dort richtig, wo das Plakat schon das Ende konstatieren möchte. Der fast poetische Text, der in Genesis 1,1-2,4a die Schöpfung der Welt beschreibt, wird mit einem bloßen „Fertig“ abgetan. Wo bleibt all die Vielfalt, die dort beschrieben wird? Die Tag-Nacht-Ordnung, die Pflanzen, die Tiere – und nicht zuletzt der Mensch? Man möchte das Plakat geradezu anschreien: Nein, nicht fertig! Die Verfasser der Schöpfungsgeschichte bewiesen ein ziemlich gutes Gespür für das, was um sie herum krabbelte und wimmelte, flog und schwamm. Und Gott sei’s gedankt dass unsere Welt nicht nur aus Himmel, Erde und Wasser besteht.

Doch noch ein zweites impliziert das Plakat. Gott wird gewissermaßen als handelnde Person zuerst genannt, dann stellvertretend für seine Leistung – die Schöpfung – der Himmel, die Erde und das Wasser. Und dann das „Fertig“. Sprich: Gott ist fertig. Seine Arbeit ist getan, die Erschaffung der Welt beendet. Und jetzt? Jetzt kommst du. Gott hat seine Arbeit getan. In gewisser Weise ist das zu parallelisieren mit dem Hornbach-Werbespot, den ich in einem vorigen Beitrag besprochen hatte: Gott hat den Planeten gebaut, und was baust du?

Ist Gott also fertig? Diese Aussage  ist alles andere als christlich-theologisch vertretbar. Gott ist, auch wenn die Schöpfungserzählung mit einem „Und siehe, es war sehr gut“ und dem Ruhetag endet, nach biblischem Verständnis nicht fertig. Denn die Geschichte Gottes mit den Menschen endet nicht mit der Schöpfung, sie beginnt mit ihr. Vielleicht könnte man also mit einem kleinen theologischen Augenzwinkern sagen: Wo Hornbach aufhört, fängt Gott erst an.

Gott. Himmel. Erde. Wasser. Fertig?

3 Gedanken zu „Gott. Himmel. Erde. Wasser. Fertig?

    1. fm schreibt:

      […], zumindest mit der Schöpfung als Grundlage und irdischem Ausgangspunkt menschlichen Lebens.

      Eine wichtige Einschränkung! Ja, die Schöpfung ist irgendwann vollendet, aber die Geschichte Gottes mit den Menschen beginnt dann ja erst so richtig.

        

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