(Bild: Mike Licht, NotionsCapital.com/flickr.com unter cc-by-sa 2.0)

5 interessante Fakten über Blogger

(Bild:  Mike Licht, NotionsCapital.com/flickr.com unter cc-by-sa 2.0)
(Bild: Mike Licht, NotionsCapital.com/flickr.com unter cc-by-sa 2.0)

Wer sind eigentlich diese Blogger, von denen immer alle reden?Wissenschaftler der Universität Hohenheim haben sich genau diese Frage gestellt – und dazu eine Umfrage aufgesetzt. Sie wollten herausfinden: Was verbirgt sich eigentlich genau hinter der breiten Masse von Bloggern? Wie verstehen sie sich selbst – und wie schätzen sie ihr Verhältnis zum Journalismus ein? Der Fokus lag besonders auf Themenblogs. Als ein solcher versteht sich auch Theopop – und auch ich habe an der Umfrage damals teilgenommen. Die Ergebnisse der Befragung von über 500 Bloggern wurden nun publiziert. Weil sie durchaus interessant sind, sollen hier auch Auszüge davon vorgestellt werden. Die ausführliche Version gibt es hier als *.pdf-Dokument, hier gibt es eine kurze Pressemitteilung.

1. Der Durchschnittsblogger: Mann, Ende 30, hohe formale Bildung

Interessant ist schon die Stichprobenbeschreibung der Umfrage-Teilnehmer. Knapp 72 Prozent sind männlich, im Durchschnitt sind die Themenblogger 38 Jahre alt. Über die Hälfte hat einen Hochschulabschluss, ein weiteres Viertel eine (Fach-) Hochschulreife. 11 Prozent haben eine abgeschlossene Berufsausbildung. Bleibt die Frage: Bloggen tatsächlich so viel mehr Männer in Themenblogs – oder sind Frauen einfach nicht so Umfrage-freundlich?

 2. Nur ein Blog? Nein danke!

Bei diesem Ergebnis kam ich etwas ins Stutzen: Offenbar ist es eher die Ausnahme, nur ein einziges Blog zu betreiben. Im Schnitt (!) betreiben Themenblogger der Umfrage zufolge 3 Blogs. Das finde ich äußerst bemerkenswert. Der Zeitaufwand für’s Bloggen liegt im Schnitt bei 9 Stunden pro Woche, wobei fast die Hälfte der Zeit für die „Erstellung von Inhalten“ draufgeht, ein weiteres (gutes) Viertel für die Recherche. Mehr als 95 Prozent der Blogger recherchieren für ihre Artikel. Wichtige Quellen: Das Internet (v.a. andere Blogs) und Gespräche mit Anderen (On- und Offline). Klassische Offline-Medien spielen eine untergeordnete Rolle.

3. Besucher & Finanzen

Durchaus bemerkenswert sind auch die Ergebnisse der Studie zu Besuchern & Finanzen. Die Leserzahl der Blogs bewegt sich in einem Rahmen von 5 Lesern bis hin zu 2 Millionen Lesern pro Monat. Das Mittel liegt bei rund 1000. Was mich – ehrlich gesagt – etwas aus den Socken haut, sind die Finanzen. Mit einem Blog kann man offenbar richtig gut Geld verdienen. Rund 74 Prozent der Befragten tun das auch – im Schnitt (!) mehr als 520 Euro pro Monat. Jeder zehnte Blogger, der Einnahmen erzielt, verdient mehr als 1000 Euro im Monat.

 4. Qualität ist wichtig

Ehrlich gesagt ein erwartbares Ergebnis: (Themen-)Blogger legen wert darauf, qualitativ hochwertig zu arbeiten. Ich zitiere aus dem Fachjournalist-Artikel zu der Studie:

Eine Faktorenanalyse zeigte zwei Dimensionen auf: erstens die journalistische Qualität, die Objektivität, Relevanz, Richtigkeit und Aktualität umfasst, und zweitens die Beziehung zum Publikum. Beide Dimensionen werden von den Themenbloggern als sehr wichtig erachtet. Tatsächlich ist die journalistische Qualität […] für Themenblogger sogar noch bedeutender als die Beziehung zu ihren Lesern […].

Und daraus folgt…

5. Bloggen ist (neuer) Journalismus

Wer hohe journalistische Ansprüche an seine eigene Blog-Arbeit hat, sieht darin natürlich auch eine Form des Journalismus. Das Verhältnis zum Journalismus war ein weiterer Punkt, den die Autoren der Studie untersuchen wollten. Die Untersuchung zeigt, dass die Blogger ihre Tätigkeit überwiegend als „neue/andere Form des Journalismus“ begreifen. Allerdings eine, die in enger Wechselwirkung zum „klassischen Journalismus“ steht. Die Aussage „Journalismus übernimmt Themen, Meinungen, Fakten und Interpretationen aus Blogs“ erhielt ebenso viel Zustimmung wie deren Umkehrung, „Blogs übernehmen Themen, Meinungen, Fakten und Interpretationen aus dem Journalismus“. Dabei wird die Skepsis des (klassischen) Journalismus gegenüber Blogs deutlich höher eingeschätzt als die Skepsis der Blogs gegenüber dem Journalismus.

 

5 interessante Fakten über Blogger

3 Gedanken zu „5 interessante Fakten über Blogger

  1. Hm. Ich bin skeptisch gegenüber dieser neuen „Blogger-Welt“. Bei vielen dieser Leute, besonders, wenn sie zahlreiche Blogs betreuuen, geht es nur noch darum, SEO-optimierten Schund in die Welt zu setzen. Das Internet ist voll von unpersönlichen, oberflächen Informations-Aggregat-Blogs die in meinen Augen nun überhaupt keinen Mehrwert bieten.

    Ich glaube, Blogs die Nerds wie dich und mich begeistern sind die, wo eine Person mit einer individuellen Stimme und Persönlichkeit dahintersteckt, die sich weniger um Pageviews schert als um Qualität.

    Deshalb hab’ ich TheoPop auch nie als „Themenblog“ verstanden, sondern als der Ort wo du, der du dich für Theologie interessierst, deine eigenen Beobachtungen aufschreibst.

    Vielleicht liegt es auch daran, dass in Theologischen Blogs nicht das große Geld drinsteckt und es deshalb in dem Sektor mehr Qualität gibt und kaum „Themenblogs“?

    (Sorry an alle Themenblogger die tolle Arbeit leisten, ihr seid nicht gemeint.)

      

    1. fm schreibt:

      Das hängt wahrscheinlich davon ab, was man als „Themenblog“ versteht. Für mich sind „Themenblogs“ nicht unbedingt mit unpersönlichen Informations-Blogs. (Ja, davon gibt es viele…).
      Ich verstehe mich in dem Sinne als „Themenblogger“, als dass ich einen bestimmten Fokus setze. Ich werde hier z.B. nicht über meine Ansichten zu Europa, zum Tempelhofer Feld oder zu Fleischkonsum schreiben (obwohl es da jede Menge zu schreiben gäbe). Das „Thema“ bei Theopop ist eben – zumindest in einem gewissen Rahmen – gesetzt. Ich lese zum Beispiel auch sehr gerne Blogs wie http://scienceblogs.de/astrodicticum-simplex/ oder http://www.scilogs.de/natur-des-glaubens/ – ich kenne zwar deren Selbstverständis nicht, würde sie aber auch als Themenblogger bezeichnen, aber durchaus sehr persönlich bloggen.

      Ich gebe dir aber recht: Das Ergebnis der Studie (v. a. obige Punkte 1-3) legen deine Schlussfolgerung nahe. Dagegen lässt sich nur eines tun: Selbst versuchen, die Qualität oben zu halten und sich nicht von „unglaublichen Besucherzahlen“ locken zu lassen.

        

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.