Platt, platter, „Dunk dem Herrn“

Noch ist die Aufregung um die Kirchen-Parodie der Komikerin Carolin Kebekus nicht gänzlich aus den Schlagzeilen verschwunden. Jüngst erst forderte die Pius-Bruderschaft die Katholiken dazu auf, „sich bei der Verspotterin persönlich zu beschweren und gleichzeitig Strafanzeige einzureichen“. Gegen die Aufforderung zu einer persönlichen Beschwerde ist nichts einzuwenden, wenngleich mit einer strafrechtlichen Konsequenz kaum zu rechnen ist. Zumindest vermag es das Video bisher nicht „den öffentlichen Frieden zu stören“, was nach § 166 StGB die Voraussetzung für eine strafrechtliche Maßnahme darstellt. Von einem Aufschrei von Seiten der katholischen Kirche kann nicht die Rede sein.

Mitnichten handelt es sich bei dem Musikvideo um intelligente Satire, viel weniger noch um angemessene Kirchen-Kritik. Sätze wie „Er ist ´ne Bank, nur für ihn zieh ich blank“ und die gerade zu Beginn des Videos sehr derben Szenen sprechen in dieser Hinsicht eine deutliche Sprache. Der künstlerische Wert ist auch sonst mehr als fraglich, schließlich bewegt Kebekus sich innerhalb der gängigen Vorwürfe, die man gegen die katholische Kirche immer wieder, gerade auch im Kontext satirischer Unterhaltung, anbringt.

Der Dauerbrenner „Sexualität“ darf da natürlich nicht fehlen: „Hier kommt Gottes Wille, keiner frisst die Pille!“, bemerkt sie als Nonne in der ersten Strophe. In denselben Kontext gehört in der zweiten Strophe auch die deutliche Anspielung auf den ständigen Kindesmissbrauch. In der Person eines Messdieners rappt Kebekus hier vom scheinheiligen Leben des Jugendlichen, während der Priester im Hintergrund hin und wieder zärtlich seine Hände auf ihre Schultern und den Kopf legt. Schließlich wird auch die gute alte „Enthaltsamkeit“ angeführt, wenn der dickliche Priester in Strophe drei rappt: „Zölibat 2.0, Alter, frag meine Enkel“. Die dritte „Hook“ erwähnt dann endlich die „Angst vor Schwulen“ und „das Kondomverbot“, womit die Ansammlung an Klischees für diesen Themenbereich abgeschlossen wäre.

Genauso wichtig für einen gelungenen „Kirchen-Diss“ ist ohne Frage das Thema Geld. Und auch hier spart das Video nicht mit klaren „Lines“. So bedankt sich der Messdiener, der sich selbst als „Knecht“ bezeichnet, in der zweiten „Hook“ für „jedes Sonntagsgeld“, während er einen 50 Euro Schein aus dem Opferbeutel holt und ihn einsteckt. In Strophe drei folgt daraufhin: „Scheiss auf GEZ, Alter, gebt ma´ Kollekte!“ und „Schönen guten Abend meine Armen und Herren, für eine Provision erteil´ ich die Absolution“. Hinzu kommen hier die Goldketten, die einzelne Personen tragen, der Hummer, in dem der Priester vorgefahren wird und einige andere Gegenstände, die auf den enormen Reichtum der Kirche verweisen, der ja im krassen Kontrast zur finanziellen Lage der Hilfesuchenden steht.

Jonathan Mall studiert Geschichte und evangelische Theologie in Tübingen. In seiner Freizeit liest er gerne Biographien und spielt Gitarre. Hin und wieder setzt er sich auch auf sein Fahrrad um den Kopf zu lüften. (Bild: privat)
Unser Gastautor Jonathan Mall studiert Geschichte und evangelische Theologie in Tübingen. In seiner Freizeit liest er gerne Biographien und spielt Gitarre. Hin und wieder setzt er sich auch auf sein Fahrrad, um den Kopf zu lüften. (Bild: privat)

Nun ist es keinesfalls etwas neues, dass die katholische Kirche zur Zielscheibe von Satire wird. Zahlreiche Kabarettisten und Komiker bedienen sich in ihren Programmen und Sendungen ja der einzelnen Facetten des Image-Problems der Institution: Dieter Nuhr, Volker Pispers, Hagen Rether, Piet Klocke, Mathias Richling und Oliver Welker sind nur einige Beispiele dafür. Allerdings unterscheidet sich das Kebekus-Video in seiner Art klar von dem, was die oben genannten Personen bieten. Deren Kirchen-Kritik fußt nämlich auf tatsächlichen Ereignissen, geht also von einem aktuell in den Medien behandelten „Skandal“ aus, und betrachtet diesen auf humoristische Weise, beleuchtet ihn sozusagen noch einmal aus anderer Perspektive.

Im Fall Kebekus kann davon nicht die Rede sein. Ihr Video greift höchstens die in den vergangenen Jahren aufgrund der zahlreichen „Skandale“ entstandenen, fast schon stereotypen Vorstellungen von der katholischen Kirche auf. Damit betreibt sie keine Kritik. Sie offenbart vielmehr den Charakter einer niveaulosen und zudem unkreativen Form der Unterhaltung. Selbst wenn die derben Szenen, die durchaus religiöse Gefühle zu verletzen in der Lage sind, rechtlich nicht angegriffen werden können, so wird man das Video schon allein aufgrund der mangelnden Kreativität und Kritikfähigkeit als unbrauchbar einstufen können.

Der WDR tat gut daran, das Video nicht zu zeigen. Derartige Versuche von Fast-Food-Unterhaltung sollten nicht unter dem Deckmantel von Kunstfreiheit ausgestrahlt werden.

Wer sich das Video anschauen möchte, um sich eine eigene Meinung zu bilden:

Platt, platter, „Dunk dem Herrn“

7 Gedanken zu „Platt, platter, „Dunk dem Herrn“

  1. fm schreibt:

    Vielen Dank für diesen Gastkommentar! Ich stimme dir weitgehend zu: Alles aufgewärmte Plörre, die wir in den Beiträgen zahlreicher Anderer schon x-Mal gehört und gesehen haben. Nichts neues also an dieser Front. Und es spricht durchaus für mangelnde Kreativität eines Künstlers, wenn man auf ein solches Thema zurückgreifen muss, um Leute zu unterhalten. Danke für deine Aussage:

    Damit betreibt sie keine Kritik. Sie offenbart vielmehr den Charakter einer niveaulosen und zudem unkreativen Form der Unterhaltung.

    Ich bin allerdings der Ansicht, der WDR hätte das Video ruhig ausstrahlen können. Kunst- und Meinungsfreiheit gelten auch für schlechte, niveaulose und beleidigende Beiträge. Damit muss (und kann!) eine stabile Demokratie, respektive ein stabiler Glaube, leben. Vermutlich wäre das Video dann auch gar nicht so bekannt geworden, weil sich kein Mensch drum geschert hätte. Die Weigerung zur Ausstrahlung ist eigentlich die optimale Publicity für Kebekus…

      

    1. fm schreibt:

      So viel zum Thema

      Noch ist die Aufregung um die Kirchen-Parodie der Komikerin Carolin Kebekus nicht gänzlich aus den Schlagzeilen verschwunden.

      🙂

      Ich denke, man wird damit rechnen müssen, dass sich der Anfangsverdacht nicht bestätigt. Wenn ich das richtig verstehe, muss die Staatsanwaltschaft solchen Anzeigen nachgehen. Und dass sich irgendjemand findet, der Kebekus anzeigt, überrascht mich nicht wirklich….

        

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