(Bild: 802/flickr.com unter CC-BY-SA 3.0)

Warum ist Petrus unser Donnergott?

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Ob Petrus einen guten oder einen schlechten Tag hat, kann man schnell feststellen. Ein Blick aus dem Fenster und die Sache ist geritzt. Scheint die Sonne, ist er gut drauf – schifft, hagelt oder donnert es, liegt bei ihm irgendetwas im Argen. So ist es zumindest umgangssprachlich; Petrus und das Wetter sind weit über die Volksfrömmigkeit hinaus ein unzertrennliches Duo. Doch was hat denn der Apostel Petrus mit dem Wetter am Hut?

So wirklich habe ich mir diese Frage nie gestellt, bis vor einigen Wochen – aus keinem bestimmten Grund. Vielleicht, weil gerade der April vor der Tür stand. Nach kurzem Überlegen war da auch schon ein Lösungsgedanke – ein Zitat Jesu, das in unserer Geschichte sehr weitreichende Folgen hatte und bis heute hat:

Ich will dir die Schlüssel des Himmelreichs geben: Alles, was du auf Erden binden wirst, soll auch im Himmel gebunden sein, und alles, was du auf Erden lösen wirst, soll auch im Himmel gelöst sein.  (Mt 16,19)

Die Verse Mt 16,18-19 spielen in der Begründung des Papsttums eine wesentliche Rolle. Petrus ist nicht nur der Fels, auf den Jesus seine Kirche bauen will, sondern auch derjenige, der diesem Vers zufolge die Schlüssel zum Himmelreich in der Hand hält. (Die kultur- und kirchengeschichtliche Bedeutung dessen ist eigentlich nicht zu unterschätzen). Sollte ihn das im Volksglauben auch zum „Wetter-Verantwortlichen“ gemacht haben? Zu demjenigen, der die Macht hat, die „Himmelsschleusen“ zu öffnen, der ganzen Flut also freien Lauf zu lassen?

Eine etwas weitere Recherche hat das bestätigt: Petrus wurde durch die Schlüsselübergabe in der Volksfrömmigkeit tatsächlich zu einer Art Wettergott, oder besser Wetterheiligen. Gewissermaßen ist das ein Überbleibsel aus der vorchristlichen Zeit: Die Funktionen der alten Götter (bei den Germanen war zum Beispiel Thor für das Wetter verantwortlich) mussten ja irgendwie in der alltäglichen Frömmigkeit ersetzt werden. Obwohl man sich offiziell von ihnen losgesagt hat, so ganz trennen konnte man sich doch nicht. (Übrigens kein ungewöhnlicher Vorgang, wenn eine „neue“ Religion/Weltanschauung auf bestehende religiöse Strukturen trifft).

Und so haben wir heute noch den sprichwörtlichen Petrus vor der Himmelspforte sitzen, mit seinen großen Schlüsseln, der bei Bedarf (oder schlechter Laune?) einfach mal die Schleusen öffnet. Auch wenn mit Sicherheit weder Petrus noch Jesus in der von Matthäus überlieferten Szene ans Wetter gedacht haben.

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