(Bild: Elisa Sgraja)

#unteilbar – Gold bekennen

Vorne ist das gewohnte Meer von geschwungemem Rot. Hier und da Antifa-Schwarzweißrot oder sind das doch die T-Shirts von der Antirassistischen Kirche? Ein bisschen grün. Viel pappfarben. Do-it-yourself-Plakate. Und dann plötzlich glitzert es in den Augen. Große goldene Rettungsdecken beglittern die große Unteilbar-Demonstration (im Glitzernden Block), angesteckt an Fahnenstangen, umgehängt, als Haarschleife oder Armband. Auf den Bannern sind Farben-gegen-rechts dominant: Glitterlettern mehr als Konfetti. Werfen die Regenbögen auf das Pflaster oder bilde ich mir das ein? Oder ist das hier der neue Regenbogen?

Überall jedenfalls tauchen diese Golddecken auf. Juwelen in der Masse. „Stay Gold“ lassen die Rapper von Run the Jewels ihren Neffen sagen. Im HipHop gehört das Glittern klar dazu. Erst recht in der weißen Meta-Reflexions-Spielart. Da ist auch die Botschaft klar. Goldene Rolex. Goldener Panzer. Goldene Kette – die sind schwer und machen schwer und wichtig. Gelbgold macht eindeutig: Das war teuer. Ich kann das. Du nicht. Und jetzt ist das Gold plötzlich auf der Straße. Anstelle von Fahnen. Anstelle von politischen Farben.

Postfarbe wird Post-Farbe? Oder ist es der neue Regenbogen?

Ist Gold jetzt Post-Farbe? Ist es Post-Partei? Die „Glänzende Demo“ klingt oder klang jedenfalls so. Vielleicht kommt von ihr der glitzernde Block auf der Großdemonstration. Polychrome Farbe steht für sie für Vielfalt. Alternative zur Alternative titelt die Berliner Zeitung. Wie kommen die eigentlich auf das Gold, die UdK-Leute, die Diakonie in Stadtmitte und die vom Künstler*innenverband, die sich das neu in einer Glitzerbewegung formieren?

Goldige Geschichte

In Westeuropa ist Gold als Kunststück aus der Verzweiflung entstanden, Gott nicht darstellen zu können, und auch, sich nicht ganz sicher zu sein, ob man Gott darstellen darf. Vielleicht deswegen diese Farbe, die das Gehirn aushebelt und die Augen verglitzernd überwältigt. Ein Stand-In für Himmelglanz, zu viel auf einmal. Nicht eine Farbe, nicht eine Lichtquelle. Poly als Programm. Die Neuronen feuern und die Synapsen glänzen und glittern und zappen mit, weil das Licht sich nicht festlegt, wenn es vom Gold kommt. Der erste theologische Effekttrick der Kunst- und Kirchengeschichte.

Ist Gold die neue Friedenstaube?

Und jetzt versammeln sich unter dem goldenen Banner neue Versammlungen. Die Gottessucher und Gottesdarsteller haben das unerreichbare und teure und kontrollierbare aus der Hand gegeben. Ein Euro pro Rettungsdecke und Goldsymbolträgerglanzschicht zum Funkelbannerschwingen. No strings attached. Nur ist das wirklich: Post-Farbe, Post-Partei, Post-Bekenntnis oder fließt hier was Altes auf neuen Plastikträgermedien  in neuer Verfügbarkeit auf die Straße? Zugleich billig und teuer, ironisch aber auch utopisch. Und was passiert mit Glam-Riot und schönem Widerstand, wenn das Glitzern des Abwesenden mit entschlossenem Schwarz kollidiert?

Stay Gold, sagt der Rapperneffe. Gold stays, sagt der/die Theolog*in.

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