Pastoren-Rap: „Jesus, my N*gga !?“

Was habe ich mir da nur eingebrockt! Via Twitter wagte es Bloggerkollege Max Melzer, mir das folgende Video zu schicken und ich habe mehr oder weniger zugesagt, dazu zu bloggen. Also – los geht’s! Pflichtprogramm: das Video anschauen.

Kurz zusammengefasst: In dem Video rappen ein Pastor (und kurz auch seine Frau) über Jesus, der ihr „Nigga“ ist (vgl. dazu hier). Die Botschaft soll, so scheint es, Jugendliche erreichen, deren Sprache & (Sub-)Kultur nun einmal zu einem großen Teil die des HipHop sei – rappt der Pastor im Text. Eine kurze Recherche ergibt: Einiges spricht dafür, dass das Ganze ein Fake ist. Es gibt ein paar Unstimmigkeiten, letztlich gilt aber: Man weiß nicht, woher das Video kommt.

Damit das aber kein so langweiliger Blogbeitrag wird, setze ich mal voraus, dass das Video echt ist (sonst wäre hier jetzt Schluss). Und ich vertrete zudem nicht die naheliegende These, dass das Alles von einem echten Pastor eine peinliche Aktion wäre. Nein, ich behaupte: Das Video ist großartig! Disclaimer: Es geht mir allein um die Form, die ich toll finde, nicht um das, was gesagt wird.

My Rhymes are flat, my beats are sick…

Das Video ist urkomisch (ob echt oder nicht): Da steht ein steifer, älterer Mann in einem Anzug vor einer Leinwand. Er beginnt zu rappen (man beachte auch den anderen Herrn, der immer mal wieder im Hintergrund auftaucht). Das Vorzeichen, unter dem das Video steht, liefert der Rapper gleich mit:

So I gave my sermon an urban kick, my rhymes are flat, my beats are sick. My groove is big and it keeps getting bigger – that’s ‚cause Jesus Christ is my nigga.

Man kann gar nicht verpassen, wie gewollt lächerlich dieses Video ist. Es ist keine Produktion, die ernsthaft versucht, mittels eines christlichen Raps an die Lebenswelt Jugendlicher anzuknüpfen. Es ist himmelschreiend offensichtlich, wie sich die Protagonisten hier selbst auf den Arm nehmen, sich der Diskrepanzen ihrer Inszenierung bewusst sind, mit ihnen spielen und sie vollends ins Absurde überziehen.

Und genau so schafft es das Video, nicht peinlich zu sein – auch für den Fall, dass es tatsächlich ein echter Pastor ist. Peinlich wäre es, wenn all dies ein ernsthafter Versuch wäre, einen Rap mit christlichem Inhalt aufzusetzen. Peinlich wäre es, unfreiwillig komisch zu sein. Dafür gibt es auch im christlichen Bereich unzählige Beispiele, ein paar davon habe ich bereits vor einigen Monaten im Blog zusammengetragen.

Peinlich ist nicht immer peinlich

Das obige Video halte ich im Echtheitsfall für eine gelungene Art, sich selbst auf die Schippe zu nehmen. Es wird geradezu explizit formuliert, ob durch Text oder Inszenierung, dass dies auch die Intention ist: Der Zuschauer soll zum Lachen gebracht werden.

Und genau dadurch kann erreicht werden, was viele andere ernsthaft versuchen: Leute tatsächlich neugierig zu machen auf das, was man zu sagen hat. Ich habe bereits gesagt, dass ich die Ansichten, die in dem Video vermittelt werden, zum Großteil ablehne. Aber ich komme nicht umhin, den Typen sympathisch zu finden.

Wollte ich also ein Fazit aus diesem Video formulieren, so wäre es dieses: Mehr Mut, sich selbst nicht allzu ernst zu nehmen. Mehr Mut zur gewollten Peinlichkeit, die nur dann peinlich ist, wenn sie einem selbst peinlich ist. Und da ich zufälligerweise gerade ein Gespräch mit Tobias Sauer von dreifachglauben.de über das Thema hatte, komme ich nicht umhin, (mich selbst) zu fragen: Vielleicht gilt das in besonderem Maße auch für die Art und Weise, wie wir unseren Glauben kommunizieren?

TheoPop abonnieren

Verpasse keine Beiträge mehr. Neue Artikel flattern direkt in dein Postfach.

Pastoren-Rap: „Jesus, my N*gga !?“

4 Gedanken zu „Pastoren-Rap: „Jesus, my N*gga !?“

  1. Ich gebe zu ich habe den Anfang gelesen. Das Video geguckt. Text sehr grob überflogen und dann am Ende meinen Namen gesehen. Gedacht: WTF. Rewind.

    Aber ja. Unterstütze ich. 😉

      

    1. fm schreibt:

      🙂 Teaser mal andersrum! Musst ja auch gar nicht unterstützen. Sind ja meine Gedanken mit Bezug auf die Thematik, von der wir’s hatten.

        

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.